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Augenschmaus & Gaumenfreuden

Auf Schmankerltour durch Oberbayern

Immer beliebt - der Schweinsbraten
Knuspriger Schweinebraten mit zwei wohlgeformten Knödeln und würziger Leberkäse mit süßem Senf und Laugenbrezen tragen schon lange das Etikett: „typisch bayerisch“. Doch abgesehen davon kann Oberbayern noch mit ganz anderen Köstlichkeiten aufwarten. Beim Topfgucken in so mancher regionalen Küche entdeckten wir raffiniert kreierte Schmankerl und bodenständige, traditionelle Küche. Weißblau aufgetischt und serviert wird an der nobel eingedeckten Tafel ebenso wie am rustikalem Wirtshaustisch. Hauptsache der Wohlfühlfaktor stimmt. Dem Gast bleibt es dann überlassen, auszuwählen und mit allen Sinnen zu genießen.

Neuburgs „tolle Knolle“
Brigitte Plöckl lächelt huldvoll und milde unter ihrem filigranen Silberkrönchen. Sie ist die Auserwählte, die als 26. Kartoffelkönigin nun das Zepter schwingen darf. Denn einmal im Jahr feiert der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sein Spitzenprodukt – die Kartoffel. Immerhin werden hier ein Drittel der bayerischen Speisekartoffeln erzeugt, die Dank der fruchtbaren Moorböden des Donaumooses besonders gut gedeihen. Auf dem traditionellen Kartoffelmarkt (4. und 5. Oktober), wie auch während der Kartoffelwochen (bis 19. Oktober) sorgen Musik-, Tanz- und Kabarettgruppen für Witz und Unterhaltung rund um die „tolle Knolle“. Da sich Wirte und Köche der gesamten Region um das leibliche Wohl der Gäste bemühen und sich dabei natürlich alles um die Kartoffel dreht, erwarten uns gerade hier ultimative Tipps. Denn ob püriert, gerieben, gekocht, geröstet oder gegrillt hier kommt die Knolle voll zur kulinarischen Geltung. Christine Hammer vom Landgasthof Vogelsang, Kartoffelprofi seit 20 Jahren, verrät einige ihrer Spezialgerichte. Passend zur herbstlichen Jahreszeit empfiehlt sie rohe Kartoffelknödel mit Pfifferlingen gefüllt auf Estragonsoße, eine Kartoffel-Gemüse-Lasagne mit einer Weißbiersabayon oder ein deftiges Kartoffelgulasch mit gebratenem Zander. „Vom Kartoffelkas, bis hin zu Reiberdatschi und Nockerl reicht die Auswahl am umfangreichen Buffet“, ergänzt die Küchenchefin. „Und zum süßen Schluss verführt sie ihre Gäste mit Schupfnudeln und Pflaumenkompott oder Kartoffeltopfenstrudel mit Vanilleeis.“ Und was trinkt man zu all den herzhaften Kartoffelvariationen á la Neuburg? Natürlich eine Ingolstädter Bierspezialität, gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot, dem ersten Lebensmittelgesetz aus dem Jahre 1516, das ganz in der Nähe in Ingolstadt verkündet und bis heute unverändert beibehalten wurde. Dabei gilt der Grundsatz: Bier darf nur aus Hopfen, Gerste und Wasser bestehen, was dem Bayerischen Bier insgesamt zu seinem Siegeszug durch die ganze Welt verhalf. Zu den pikanten Erdäpfelgerichten gibt’s dann ein kühles, prickelndes Helles, vom WestParkBräu oder ein spritziges, süffiges Herrnbräu Weißbier, beides obergärige Bierspezialitäten aus Ingolstädter Traditionsbrauereien.

Wandern und genießen im Chiemgau
Für Wandervögel und Naturfreunde, die Bewegung und gute Küche lieben, bietet der Chiemgauer Wanderherbst genau das Richtige. Rendezvous mit der Natur lautet vom 04. September bis 06. November die Devise. Auf den geführten Erlebnistouren zu entlegenen Almhütten, einsamen Berggipfeln und entlang glasklarer Flüsse und Seen schmeckt’s ja noch mal so gut. Um die Wandersleute gebührend zu verköstigen dafür legen sich die Chiemgauer Köche mächtig ins Zeug. Schwammerl-, Wild-und Fischgerichte in allen nur erdenklichen weißblauen Variationen sind in dieser Zeit Spitzenreiter auf den Speisekarten. Rosi Lex vom Hafenwirt in Seebruck zum Beispiel kocht auf mit Kürbissuppe, Schwammerltopf und Semmelknödel. Und was die Nachspeisen betrifft, sollte die nächste Wanderroute noch ein paar Kilometer länger sein. Denn Marillenknödeln, Rohrnudeln und Kaiserschmarrn oder Zwetschenpavesen mit Hollerkompott, wie sie in Obing im Gasthof Reiter angeboten werden, sind doch eine Sünde wert.

Dorfkirchweih
Manchmal hat es im Voralpenland zur Kirchweih schon geschneit. Doch wenn man Glück hat putzt der Föhn den Himmel blank und die Temperaturen gehen spätsommerlich nach oben. Im Dorfwirtshaus „Jägerwirt“ in Kirchbichl herrscht wie immer an diesem dritten Sonntag im Oktober Hochsaison. In der 350 Jahre alten Wirtshausstuben warten die Gäste geduldig auf den Festtagsschmaus. „Bei niedrigen
Süße Köstlichekeiten im Herbst
Temperaturen und einer Bratzeit von zwei bis drei Stunden“, versichert der Gastwirt Peter Rank, „werden die Gänse butterweich.“ An die 100 Portionen mit Blaukraut und Knödel gehen an solch einem Tag über die Theke, nicht zu vergessen die unzähligen Maßkrüge, voll gefüllt mit Kloster-Reutberg-Export hell oder dunkel. Da kommt auch Frau Augustin ein wenig in Stress, obwohl sie schon seit 35 Jahren beim Jägerwirt bedient. Fürs Süße sind dann Ranks Mutter Anna und Ehefrau Sabine zuständig. Frisch gebackene Schmalznudeln, Topfenstriezel und ein saftiger Zwetschgendatschi gehen an Kirchweih weg wie „warme Semmeln“.
Und da Käse ja bekanntlich den Magen schließt, hier noch ein ganz besonderer Schmankerltipp. „Tölzer Kasladen“ heißt das Spezialgeschäft, das an die hundert handwerklich hergestellte Sorten aus zehn europäischen Ländern im Sortiment hat. Besitzer Wolfgang Hofmann, der zudem die seltene Kunst des Affinierens beherrscht, überwacht streng Lagerung und Reifeprozess der Produkte. Nobelrestaurants und Promis wie Ralf Schumacher zählen zu seinen Kunden. Uns empfiehlt der Käsepapst aus Tölz: „Wacherin Mont d’or“, ein super weicher Käse, der gelöffelt wird und hervorragend zu Pellkartoffeln schmeckt.