Spaß, Musik und Tanz

Lustig und bunt ist das Treiben während der Faschingsumzüge

Alle zehn Jahre sind sie wieder da: Märchenkönig Ludwig, der gut gelaunt seinen Untertanen zuwinkt. Kaiserin Sissi, die inmitten seines Hofstaats auf der Kutsche thront. Die hölzerne „Arschprügelmaschine“, die geizigen Bürgern den Hintern versohlt. Die Francailer, die in Gehrock und Zylinder so würdevoll stolzieren, als tanzten sie gleich auf dem Parkett des Wiener Opernballs und nicht auf dem Dorfplatz der Chiemgau-Gemeinde Bergen. Seit 123 Jahren reiht sich die Schar aus Promis, Protagonisten und Proleten in den Zug der faschingszünftigen Bauernhochzeit ein, die die Arbeiter des ehemaligen Eisenwerkes Maxhütte einst ins Leben riefen, um die reichen Bauern der Region zu parodieren. Der ganze Ort feierte mit, bis heute: Am 22. Februar 2009 wird in Bergen wieder geheiratet. „Der Hochzeitszug läuft nach strengen Ritualen ab und sogar der Wortlaut der Zeremonie hält sich genau an die historische Überlieferung“, erklärt Georg Anfang. Der 72-Jährige hält seit vier Jahrzehnten als Hochzeitlader, auch Progater genannt, die Fäden des Faschingszuges in der Hand. Ab Dreikönig sind Progater und Hennerklemmer, ein armes Männlein, das sich einst als Begleiter etwas dazuverdienen und manchmal sogar eine Henne mitnehmen durfte, auf den Beinen, um das ganze Dorf mit seinen fast 2000 Haushalten höchstpersönlich einzuladen. Und das so genannte Weisertgeld fürs Spektakel zu sammeln. Wer hier zu wenig springen lässt, der muss beim Umzug seit jeher die berüchtigte Arschprügelmaschine fürchten. So will es die Tradition.

Und die wird sogar überwacht. Reiter kontrollieren, dass der Zug die Regeln der Maxhüttler von 1883 einhält, wenn er sich um 11 Uhr von ihrem alten Stammlokal aus in den Bergener Ortskern schlängelt. Vornweg trabt der Vorreiter, dahinter gruppieren sich die prächtigen Kutschen und Gespanne. Erst der Brautführer samt Paar in historischer Tracht. Dann die Kutschen mit den Ehemaligen und Hochzeitsgästen. Und schließlich rollt auch die Prunkkutsche mit Ludwig, Sissi und dem königlichen Hofstaat vorbei an mehreren Tausend Zuschauern. Hinter den Wagen marschiert das Fußvolk, darunter die Frack-Träger, Hofnarren, Harlekins und diejenigen, die sich selber eingeladen haben. „Manche kommen von weit her. Sogar aus Ungarn“, sagt Georg Anfang. 

 Sie alle wohnen auf dem Dorfplatz unterm Maibaum der Hochzeitszeremonie bei. Erst besiegelt der Standesbeamte den Faschingsbund fürs Leben, dann wird getanzt und anschließend im Festsaal gemeinsam gefeiert. Gäste können sich hier auf Brauchtum, Blasmusik, Schmankerl und historisches Flair freuen. Denn schließlich tragen die Einheimische beim Bergener Fasching keine Kostüme, sondern überwiegend historisches Trachtengewand, das oft sogar aus der Zeit der Jahrhundertwende stammt. Authentizität liegt den Organisatoren am Herzen. „Wir haben die Verpflichtung, so weiterzumachen, wie die Maxhüttler es einst begannen – entweder ganz oder gar nicht“, erklärt Georg Anfang. Deshalb betrachten sie die Faschingszünftige Bauernhochzeit auch nicht als Gaudi, sondern vielmehr „als einzigartige Mischung aus Fasching, regionalem Brauchtum und Geschichte.“ Nur alle zehn Jahre findet der Zug mittlerweile übrigens deshalb statt, weil er mit seinen strengen Regeln so aufwändig zu organisieren ist.
 

Jedes Jahr dagegen treiben maskierte Faschingsgestalten in der Zugspitz-Region ihr Unwesen. In Garmisch-Partenkirchen betreten die maskierten Männer, die so genannten Maschkera, ab Dreikönig die Brauchtumsbühne. Stampfende, raunzende und bis zur Unkenntlichkeit verkleidete Gestalten streifen durch die Straßen, treiben Schabernack und feiern ausgelassen in den Gasthäusern. 

 Ihre Gesichter verbergen die Männer hinter kunstvoll geschnitzten Masken, den so genannten Larven – oft sind die wertvollen Holz-Gesichter schon seit Jahrhunderten in Familienbesitz und werden vom Vater auf den Sohn vererbt. Wer sich hinter den grinsenden, lachenden oder erschrocken dreinblickenden Fratzen verbirgt, bleibt selbst den Alteingesessenen ein Rätsel. Denn die hohe Kunst des Maschkera-Gehens besteht darin, unerkannt zu bleiben. Der Träger verstellt sich, so gut er kann: den Gang, das Benehmen, die Stimme. Sogar die Hände, die den Beruf verraten könnten, werden unter Handschuhen versteckt.

 Wahrt er seine Identität, kommt ihm das gleich in zweierlei Hinsicht zugute: Er kann, ganz im Sinne der Maschkera-Tradition, seinen Mitmenschen gehörig die Meinung sagen, ohne dass ihn sein Gegenüber identifizieren kann – und nebenbei völlig ungeniert dem Gunkeln frönen. Bei diesem beliebten Brauch fallen die Maskierten raunzend und stampfend in den Dorfgaststätten ein, greifen sich die Schönheit ihrer Wahl und drehen sich munter mit ihr im Kreis. Einmal linksrum, einmal rechtsrum – und schon ist der Spuk wieder vorbei: Die geheimnisvollen Masken-Männer verschwinden, wie sie gekommen sind. Raunzend, stampfend, unerkannt. 

 Wer sich das Gunkeln nicht entgehen lassen möchte, sollte sich montags, dienstags und donnerstags in den Gasthäusern der Maschkera-Metropole Mittenwald auf die Lauer legen. Dort lockt zudem am „unsinnigen Donnerstag“ – der Weiberfastnacht am 19. Februar – ein einmaliges Spektakel in den historischen Ortskern. Pünktlich nach dem Zwölfuhrläuten setzt sich hier ein Zug heidnischer Gestalten hüpfend in Bewegung, angeführt von Schellenrührern, der schwere Glocken auf dem Rücken trägt, die er mit eigenartig anmutenden Bewegungen läuten lässt. Dem lärmenden Tross folgen weitere Faschingsgestalten: Die vermummten Jacklschutzer, die den Winter in Form einer Strohpuppe bekämpfen, Teufel, Bär und nicht zuletzt die Angler, die Kinder mit Würsten und Brezen ködern. 

 Die skurrilen Gesellen können Gäste noch bis zum Faschingsdienstag, 24. Februar, an dem der Spuk um Mitternacht endet, in den Gassen, Gasthöfen und bei Umzügen erleben. Mit einigen Ausnahmen: An kirchlichen Feiertagen bleibt die Maske im Schrank und in Mittenwald ist das Maschkera-Gehen traditionell am 5. Februar tabu – an diesem Tag gedenken die Einheimischen dem großen Marktbrand im Jahre 1830. Und in Garmisch-Partenkirchen unterbricht das sonntägliche 16-Uhr-Läuten der Sebastian-Kirche, das seit 1634 an den letzten Pesttoten erinnert, das Masken-Spektakel. 

 Eine ebenfalls alte, aber fröhliche Tradition zieht seit über 100 Jahren Schaulustige auf den Münchner Viktualienmarkt. Jedes Jahr am Faschingsdienstag (24. Februar) um 11 Uhr legen die Marktfrauen hier vor ihren Ständen und auf Bühnen einen flotten Tanz aufs Kopfsteinpflaster. Und natürlich treffen sich Kostümierte auf den zahlreichen Faschingsfeten und Umzügen in der Landeshauptstadt, in der sich übrigens schon Wilhelm Busch gerne unters närrische Volk gemischt hat. Zwischen Faschingssonntag und Faschingsdienstag verwandelt sich die Fußgängerzone der Metropole in einen bunten Maskenball. Und am 15. Februar zieht ein sehenswerter Tross aus rund 24 bunt geschmückten Wagen, Tanzgruppen und Musikkapellen unter lautem „Helau!“ und Kamellen-Regen durch die Stadt. 

 Über die fliegenden Süßigkeiten freuen sich vor allem die Kinder, die bei den Umzügen in Oberbayern die Straßen säumen. Am Samstag, 21. Februar, rollen etwa in Dachau aufwändig geschmückte Festwagen durch die Stadt und folgen dem Prinzenpaar, das winkend durch die Menge chauffiert wird. Jede Menge zu Lachen gibt’s beim großen Faschingsdienstagsumzug in Bad Reichenhall, der ganz gerne mal die Lokalprominenz aufs Korn nimmt. Anschließend loht sich ein Abstecher in Georg Papendicks Faschings- und Karnevalsordenmuseum, das als größtes seiner Art gilt. Über 10.000 Orden gibt’s hier zu sehen, die auch aus den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz stammen. 

Faschings-Specials

Skiurlaub für Singles
Eine kleine Karrierepause einlegen und es sich am Tegernsee richtig gut gehen lassen – ein spezielles Arrangement bietet Alleinreisenden erlebnisreiche Tage im Schnee. An der Seite eines Skiguides erkunden sie die abwechslungsreichen Pisten in den fünf Skigebieten der Region und gewinnen beim Nachtskilauf unvergessliche Eindrücke der verschneiten Bergwelt. Ganz private Sternstunden erleben die Singles in der neuen monte mare Seesauna, die auf dem Tegernsee zur besonderen Schwitzkur lädt. Das Paket kostet inklusive 2,5-Tage-Skipass, Guide und Reiserücktrittsversicherung ab 361 Euro (ohne Übernachtung) und ist bis 31. März buchbar. Weitere Infos: Tegernseer Tal Tourismus, Hauptstraße 2, 83684 Tegernsee, fon 08022/92738-0,   www.tegernsee.com 
 
Nostalski auf dem Jenner
Auf dem Jenner wird am 7. März an der Uhr gedreht. Beim 13. Berchtesgadener Chariviari verbeugen sich Nostalgiker vor der guten alten Zeit. Auf uralten Skiern, in Omas Dirndl oder in Knickerbockern sausen die Teilnehmer dieses außergewöhnlichen Rennens über die Piste. So mancher meistert die Strecke sogar auf taillierten Brettern Marke Eigenbau. Egal wie man das Ziel erreicht: Für einen Sieg zählt nicht allein die Zeit, sondern vor allem auch die Originalität des Outfits. Weitere Infos: Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Bahnhofplatz 4, 83471 Berchtesgaden, fon 08652/6565030,  www.berchtesgadener-land.com. 
 
Sport und Gaudi fliegen Hand in Hand

Beim traditionellen Faschingsspringen in Reit im Winkl zeigen die Narren sich von ihrer sportlichen Seite. Auf originellen Skiern und in ausgefallenen Kostümen wagen sie sich auf die Schanze. Die Weite ist egal, nur der optische Eindruck und nicht zuletzt die Gaudi zählt. Bereits seit den 1930er Jahren lockt das Faschingsspringen Zuschauer an, das seit jeher nach dem großen Faschingsumzug startet, der sich um 14 Uhr durch den Ort schlängelt. Weitere Infos: Tourist-Info Reit im Winkl, Dorfstraße 38, 83242 Reit im Winkl, fon 08640/80027,  www.reit-im-winkl.de  .

 Freie Fahrt für Pappnasen
Skifahrer und Snowboarder, die am Rosenmontag (23. Februar) über die Pisten des Wendelsteins sausen wollen, sollten auf jeden Fall ein Faschingskostüm im Gepäck haben: Verkleidete Kinder fahren an diesem Tag gratis mit den Bergbahnen und Liften, während maskierte Erwachsene mit Tickets zum Kindertarif belohnt werden. Weitere Infos: Wendelsteinbahn, Kerschelweg 30, 83098 Brannenburg, fon 08034/308-0,  www.wendelsteinbahn.de  .