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Palmbuschen, Gweichtl und Steckerlbrenner

Pfarrsekräterin Erna Lerchner aus Unterholzhausen erzählt, wie sie Ostern erlebt


Die Altöttinger Osterprozession
Ein wenig spektakulär, sehr familär und für Gläubige dank Palmbuschen, Heiligem Feuer und Steckerlbrenner voller sicht- und spürbarer Symbolik - so feiern die Oberbayern Ostern. Das Fest beginnt schon in der Woche vor Palmsonntag. Dann gehen Frauen wie Erna Lerchner durch die Gärten, schneiden Palmkätzchen und immergrüne Zweige von Buchs und Segenbaum. Und es endet mit dem Sonnenaufgang am Ostersonntag. Mit dem Gweichtel zum Familienfrühstück und dem Gang der Steckerlbrenner auf die Felder.

In der guten Stube Erna Lerchners duftet es nach den Symbolen des ewigen Lebens: Nach frischgeschnittenen, immergrünen Zweigen, nach Buchs und Segenbaum, nach Thuja und Wacholder. Weiß leuchten Palmkätzchen dazwischen heraus. Für die gläubige Frau aus Unterholzhausen/Altötting brechen mit dem Duft die schönsten feiertage im Jahreslauf an: Ostern. Sie schneidet sich das Grün in handliche Stücke und bindet es zu kleinen Sträußen, für jedes Familienmitglied einen. "Die Burschen lassen wir uns an Palmsonntag vom Priester segnen", erzählt sie und geht in den Herrgottswinkel. "Der hier ist noch vom letzten Jahr". Sie zeigt auf den verdorrten Strauß hinter dem Kruzifix. Sie wird ihn nach dem Gottesdienst durch den Frischen ersetzen.

Erna Lerchners Palmbuschen sind hübsche, aber einfache Handsträuße, so wie sie üblich sind rund um den Wallfahrtsort Altötting. Manche stecken noch einen verzierten Weidenstab hinein, um das Gebinde länger und größer wirken zu lassen. "Aber ganz so aufwendig wie zum Beispiel im Berchtesgadener Land sind unsere Gebinde nicht", weiß sie.

Rund um den Königssee schmücken die Gläubigen Palmsträuße und Palmbäume besonders hübsch. Sie färben dünne Holzspäne ein - sogenannte Gschabertbandl - und fertigen daraus kunstvollen Schmuck, hängen und stecken ihn in Gebinde. Kinder tragen sie zur Kirche und warten vor den Toren auf den segen des Priesters. Ein fröhlich bunter Anblick angesichts kahler Bäume, matschiger Felder und Schneeresten in den Bergen. heute symbolisieren die Buschen Wachstum und Kraft der Natur im Frühjahr. In früheren zeiten glaubte man, die geweihten Sträuße schützen zusätzlich vor Hexenspuk und Zauberei. So tragen die Burschen und Mädchen im berchtesgadener Land ihre Kunstwerke zu Verwandten, damit sie auf Feldern, unter dem Dachfirst oder - wie bei Erna Lerchner im Innviertel - im Hergottswinkel ihre segensreiche Wirkung
Der Priester wäscht Gemeindemitgliedern die Füße
entfalten können.

Eir Erinnerung an den triumphalen Einzug Jesu Christi in Jerusalem, an die Geschehnisse beim heiligen Abendmahl und am Ölberg erlebt Erna Lerchner mit den veränderungen des Gottesdienstes in den Tagen der karwoche jedes Jahr wieder. "Erst der feierliche Jubel, dann dar große Bruch: die Orgel schweigt und die Ministranten ersetzen das geläut durch das klappern mit Holzklöppeln - das beeindruckt mich jedes mal aufs Neue."

Im nahen Wallfahrtsort Altötting ließ man - wie in vielen anderen größeren Gemeinden Oberbayerns auch - am Gründonnerstag einen alten Brauch wieder aufleben: "der Priester wäscht zwölf ausgewählten Gemeindemitgliedern die Füße"; erklärt Erna Lerchner, "so wie es Jesus mit seinen Jüngern tat". In der dreihundert Seelen Gemeinde Unterholzhausen aber bleibtes ruhig. Der Tag endet mit einer stillen Ölbergandacht. Hier bereiten die Mesnerinnen etwas ganz anderes vor: das heilige Grab. "Unten im Seitenaltar gibt es eine Nische. Dahinein legen sie eine hölzerne Christusfigur und hüllen sie in weißes Tuch." Glühbirnen hinter farbigen Glaskugeln und Kerzen verströmen das wenige Licht, das in diesen Tagen in der kleinen Kirche Maria Heimsuchung herrscht. Das leiden Christi, der Tod - hier wird es sichtbar.