Traditionsstangerl in Natur oder weiß-blau
Maibaum-Aufstellen in Oberbayern
Aus der kultischen Geschichte wurde ein kultiges Objekt. Ob weiß-blau „geschnürt“ oder nur „geschäpst“ – der Maibaum ist in Oberbayern so wichtig wie Berge, Bier und Barock. Das Aufstellen mit männlicher Muskelkraft ist stolze Dorfsache, der Maibaumdiebstahl bei den Nachbarn ein augenzwinkerndes Ritual. Maiandacht, Maitanz und Mai-Liebelei - der 1. Mai hat´s in sich.Hannes Knappich, 2004 Trachtenvorstand in Hohenpeißenberg am berühmten bayerischen Rigi, ist ein „alter“ Fuchs. Seit die Maibaumverordnung den Vereinen so richtig Geld kostet - Maibäume brauchen eine Haftpflichtversicherung und alle Jahre muss ein Sachverständiger den Zustand des Baumes prüfen – lässt er doch lieber schon nach 4 Jahren ein neues Traditionsstangerl aufstellen, ein bisschen marode wirkt das alte nämlich. Sonst dürfte das gute Brauchtumsstück maximal 5 Jahre stehen bleiben.
Vor die Tradition hat der liebe Herrgott die Waldarbeit gesetzt. Die kappen nur einen Teil der Stammwurzeln – so viele, dass der Baum noch Halt hat. Dann wird er mit zwei starken Winden heruntergelassen. In Hohenpeißenberg aber fällt man ihn so, dass er - von anderen Bäumen gebremst - langsam hinunter sinkt. Raffiniert sind sie, der Hannes und seine Mannen!
Früher gab es allerdings Zeiten, als dieser „Waldspaziergang“ eine Art geheime Kommandosache war. Im 17. Jh. wurde der Baum gerne „organisiert“- eine neutrale Umschreibung dafür, dass die Dorfburschen ihn im Staatsforst klauten, was die bayerische Regierung mit einem Maibaumverbot belegte. Geklaut wurde natürlich weiter, nur geschickter und 1827 gab Ludwig I. den Erlass heraus, dieses „an sich unschädliche Vergnügen“ wieder zuzulassen. „Da Wir Volksfeste lieben und Unsere treuen Untertanen mit wahrer Freude jede ehrbare Ergötzlichkeit gönnen, so wollen Wir hiermit erklären: Es sey von nun an wieder erlaubt nach
uraltem Brauch am 1. Mai in jeder Gemeinde auf dem Lande einen Maibaum aufzustellen.“ Man beachte den Pluralis Majestatis - und man darf auch durchaus ein bayerisches Augenzwinkern herauslesen. Seine Majestät feierte selbst nun mal liebend gern, Savoir Vivre auf Bayerisch!
Aber der Mann war natürlich auch weise genug, einen so uralten Brauch zu tolerieren, der aus dem Dunkel der Geschichte stammt und heidnische, keltische Wurzeln hat. Schon im 13. Jh. symbolisierten grüne Zweige die Fruchtbarkeit. Im 16. Jh. kamen die Orts-Maibäume auf, die geschlagen, entastet und dann geschäpst (entrindet) wurden, der Wipfelbusch blieb früher stehen, ein gewundener Kranz war im oberen Bereich befestigt. Damals wurde die Birke verwendet, ein symbolträchtiger Baum, der als erster aus der Winterstarre erwacht und sprießt. Der Brauch sollte Fruchtbarkeit im Bauernjahr heraufbeschwören, der Stamm stand für das Männliche, der Kranz für das Weibliche. Das erste Bild eines Figurenmaibaums stammt aus dem Jahr 1585 - vom Maler Donauer. Übrigens: Das Entrinden des Baumes hatte ebenfalls einen abergläubischen Grund. Man fürchtete, dass sich der Teufel in Gestalt eines Käfers unter der Rinde verbergen könnte und später ins Dorf eindringen. Für moderne Lästermäuler Anlass genug, angesichts so mancher Dorfpolitik, anzuzweifeln, ob der Baum wirklich richtig und völlig entrindet wurde…
Es gibt eben viel Unfassbares rund um den 1. Mai und bis heute regiert die mystische Walpurgisnacht die Gemüter – bei den meisten Kids und Jugendlichen als Freinacht. In der Nacht auf den ersten Mai passieren gar merkwürdige Dinge. Gartenstühle hängen in den Bäumen, die Mülltonnen des Dorfes haben sich alle wunderlicherweise vor dem Rathaus zusammengerottet. Solange es nur um Scherze wie ausgehängte Gartentore geht, drücken Polizei und Anwohner die Augen zu, wenn aber echte Beschädigung damit einher geht, versteht keiner mehr Spaß - zu Recht!
Eine Übersicht der schönsten Maibaum-Veranstaltungen finden Sie hier:
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An Christ-Himmelfahrt findet traditionell der Vatertag statt: Eine Übersicht von Veranstaltungstipps zum Vatertag finden Sie
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Fronleichnam ist ebenfalls einer der Frühlingsboten im oberbayerischen Jahreskalender. Eine Übersicht der schönsten Fronleichnamsprozessionen finden Sie hier:
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